Üben zu Hause – was wirklich hilft

Dieser Text richtet sich vor allem an Schülerinnen, deren Übungsstruktur noch nicht klar aufgebaut ist, sowie an deren Eltern. Für fortgeschrittene Schülerinnen, die bereits selbstständig üben können, ist eine elterliche Beteiligung in der Regel nicht notwendig.

Voraussetzungen für sinnvolles Üben zu Hause

Die hier beschriebenen Punkte sind Orientierungshilfen, die je nach Situation einer Familie flexibel angepasst werden können.

Wenn das Üben zu Hause nicht gut funktioniert, liegt das nicht nur an der Motivation oder Haltung des Kindes, sondern auch daran, ob die Voraussetzungen für einen tatsächlichen Beginn gegeben sind. Üben gelingt weniger durch Vorsätze als dadurch, dass klar ist, wann, was und unter welchen Bedingungen geübt wird.

1. Ist die Übungszeit konkret festgelegt?

Entscheidend ist nicht, wie lange geübt wird, sondern wann und in welchem Rahmen.

Zum Beispiel:

  • am Klavier sitzen nach dem Abendessen

  • eine Timer-Einheit nach den Hausaufgaben

  • kurz vor dem Duschen

  • 20 Minuten nach der Schule

  • 10 Minuten vor dem Weg zur Schule

Wenn das Üben an bestehende Alltagsabläufe gekoppelt ist, wird es für das Kind keine neue Entscheidung, sondern der nächste Schritt im Tagesablauf.

2. Ist klar, was im Übungsinhalt passiert?

In einer Übungsinhalt muss nicht alles gemacht werden. Hilfreich ist eine klar strukturierte, überschaubare Aufgabe.

Zum Beispiel:

  • Fingerübungen – mit dem Bewusstsein, worauf geachtet werden soll (z. B. Fingerspitzen, Stabilität der Hand)

  • ein Stück aus dem Unterricht

  • davon nur ein Abschnitt, mit Fokus auf einen konkreten Punkt

Das komplette Durchspielen eines Stücks ist nicht jedes Mal notwendig, sondern eher eine spätere Kontrollphase. 

3. Gibt es vor dem Spielen einen klaren Fokus?

Der Fokus beschreibt, welches Ziel oder welchen Aspekt ich heute mit dem Üben verfolge. Jedes Stück stellt bestimmte Anforderungen. Rhythmus, Klangverbindung, Handbewegung oder Handgelenk sind je nach Stück unterschiedlich wichtig. Vor dem Spielen kurz zu überlegen,

  • Worauf achte ich heute besonders?

hilft, mechanisches Wiederholen zu vermeiden und gezielter zu üben.

4. Ist die Umgebung sofort spielbereit?

Kurze Überprüfung:

  • Ist das E-Piano oder Klavier spielbereit?

  • Stehen Stuhl und Instrument immer gleich?

  • Liegt das Notenmaterial griffbereit?

  • Wird mit CD oder Audio geübt: steht das Abspielgerät direkt neben dem Klavier?

Entscheidend ist nicht Ordnung, sondern ob ohne Vorbereitung sofort begonnen werden kann.

  • Jüngere Kinder können Üben noch nicht selbstständig organisieren. Wichtig ist vor allem die Erfahrung, zur festgelegten Zeit überhaupt zu beginnen. Ich empfehle, dass bei jüngeren Kindern die Rolle der Eltern darin besteht, dafür zu sorgen, dass das Kind zur festen Zeit (z.B nach der Schule) am spielbereiten Klavier sitzt. Die Lehrkraft legt fest, was dann als erste einfache Handlung passiert, zum Beispiel:
    Wenn ich am Klavier sitze, spiele ich zweimal meine Fingerübung.

    Das Kind verbindet diese beiden Bedingungen selbst und beginnt so eigenständig zu üben. Danach kann es selbst entscheiden, ob und wie es weiterübt, zum Beispiel indem es in sein eigenes Übungsheft schaut.

    Wenn das Üben stockt, können Eltern unterstützend helfen:

    • gemeinsames Singen der Unterrichtsstücke

    • Üben in Form einfacher Musik-Spiele (Würfel-, Karten- oder Brettspiel)

    • Noten nachzeichnen

    • Noten-Apps bei visueller Überforderung durch Papiernoten

    Diese Methoden ersetzen das Üben nicht, sondern erleichtern den Einstieg. Es ist in Ordnung, wenn es nicht sofort gut klappt. Wichtig ist, dass das Kind immer wieder neu ins Üben finden kann.

  • Ab diesem Alter ist es sinnvoll, dass Kinder ihren Übungsplan selbst festlegen. Die Rolle der Eltern kann darin bestehen, den Plan zu kennen und Bedingungen zu schaffen, die ihn nicht behindern.

    Nach dem Unterricht gibt es oft einen zentralen Aspekt, der beim Üben wichtig ist (z. B. Handgelenkshöhe, Kraft in den Fingerspitzen). Kinder vergessen diesen Punkt häufig nicht aus Unverständnis, sondern im Übungsprozess selbst. Wenn das Kind es möchte, kann ein kurzes Erinnern einmal am Tag als Gedächtnishilfe dienen.

Zum Abschluss

Üben ist keine Aufgabe für nur eine Person.

  • Das Kind probiert aus und übt.

  • Die Eltern sorgen im Alltag für passende Bedingungen.

  • Die Lehrkraft gibt Richtung und Impulse.

Wenn alle drei im Austausch bleiben und sich bei Bedarf unterstützen, wird Üben zu einem stabilen Bestandteil des Alltags. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann das Kind auch Schritt für Schritt lernen, Üben auszuhalten und durchzuhalten – wie einen Muskel, der langsam aufgebaut wird.

Gitbi Hucko-Kwon

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